Kritik ohne Alternative?
Peter Hudis liest Marx gegen den Strich
Kapitalismuskritik ist allgegenwärtig. Ob Klimakrise, soziale Ungleichheit oder ökonomische Instabilität – an Symptombeschreibungen mangelt es nicht.

Was dabei meist fehlt, ist die Frage, ob und wie eine Gesellschaft jenseits des Kapitalismus überhaupt bestimmt werden kann. Genau an diesem entscheidenden Punkt setzt Peter Hudis mit seinem nun auf Deutsch bei Red & Black Books erschienenen Buch an.
In Jenseits des Kapitalismus. Kritik und Alternative bei Karl Marx richtet sich Hudis gegen eine in der Linken weit verbreitete Auffassung: Marx habe den Kapitalismus zwar einer grundlegenden Kritik unterzogen, sich jedoch bewusst jeder Bestimmung einer Alternative enthalten. Diese Lesart hat sich tief eingegraben – nicht zuletzt, weil sie gut zu einer politischen Praxis passt, die sich auf Reformen, Regulierung oder moralische Appelle beschränkt.
Demgegenüber zeigt Hudis, dass sich Marx’ Kritik der politischen Ökonomie nicht in der Analyse kapitalistischer Produktionsverhältnisse erschöpft. In den Kategorien seiner Kritik – Ware, Wert, Geld, Kapital und Lohnarbeit – werden zugleich die Bedingungen sichtbar, unter denen diese Formen aufgehoben werden können. Hudis verfolgt diesen Zusammenhang von Kritik und Alternative durch die verschiedenen Phasen von Marx’ Werk – von den frühen philosophischen Schriften über die Entwürfe zu Das Kapital bis zur Kritik des Gothaer Programms.
Gerade in einer Zeit, in der „Alternativen“ häufig auf staatliche Eingriffe oder „gerechtere“ Märkte reduziert werden, zeigt Hudis, dass eine wirkliche Alternative nicht innerhalb der bestehenden Kategorien gedacht werden kann, sondern deren Aufhebung voraussetzt. Sein Buch ist keine Anleitung für die Zukunft, aber es klärt die Bedingungen, unter denen sie überhaupt sinnvoll gedacht werden kann.
ISBN 978-3-9827404-3-0, Hardcover, 367 Seiten, € 19,99
Red & Black Books 2026
